go east
 
Dieter Moor, Gebhard Graf von Hardenberg
und Hans-Georg von der Marwitz
im Gespräch mit Norbert Seitz
 
»Geh’ doch nach drüben«, hielten die Väter der ’68er ihren ein linkes Weltbild zelebrierenden Kindern entgegen. Wer aber nach 1989 vom Westen in den Osten ging, hatte ganz anderes im Sinn als die Hoffnung auf den Sieg des »real existierenden Sozialismus«.
 
Gebhard Graf von Hardenberg machte sich 1993 mit Frau und Kindern aus dem niedersächsischen Stammsitz der Familie auf, um die zur Standesherrschaft Neuhardenberg gehörende Komturei Lietzen wieder in die alte hardenbergsche Obhut zu nehmen. Anders lagen die Dinge bei Hans-Georg von der Marwitz, MdB, den es mit seiner Familie nach der Wende aus dem Allgäu ins brandenburgische Friedersdorf zog, dem Stammsitz seiner Vorfahren: Während die Familie Hardenberg als Mitwisser des 20. Juli von den Nationalsozialisten enteignet wurde, ging der Marwitzsche Besitz erst durch die Bodenreform verloren. Hardenberg wurde als Eigentümer wieder eingesetzt, Marwitz mußte kaufen. Gemeinsam ist beiden jedoch, nicht unerheblichen Verstörungen zum Trotz eine Landwirtschaft aufzubauen und zu betreiben, sich politisch und sozial zu engagieren und Verantwortung für die Geschichte ihrer Familien zu übernehmen.
 
Auch der Schweizer Dieter Moor, dem Fernsehpublikum als ironisch-kundiger Moderator u. a. von titel thesen temperamente bestens bekannt, siedelte ins Brandenburgische über. In Hirschfelde bewirtschaftet er einen Ökobauernhof. Unter dem Titel Was wir nicht haben, brauchen Sie nicht. Geschichten aus der arschlochfreien Zone hat er seine Erfahrungen als Landwirt im Ostdeutschen aufgeschrieben. Moderiert von Norbert Seitz, Redakteur beim Deutschlandfunk, diskutieren die drei Ostwanderer über ihre Motivation, ihre Ziele, ihre Enttäuschungen, ihre Erfolge und ihre Hoffnungen.